Das Haus Nr. 9

1919-1927

 

Hildeboldplatz Nr. 9 - Gruppe Stupid

1918, Revolutionskarren mit wild rufenden Männern rasten über den Hildeboldplatz. Die Hausfrauen kauften Brot, Brot soviel sie tragen konnten. In der Breitestraße klirrten die eingeschlagenen Fenster und aus den Warenhäusern flogen Stoffe und Kleider auf die Straße. Offizieren wurden die Epauletten abgerissen. Aus dem Präsidium am Neumarkt kamen die Berittenen, hatten blank gezogen. Offensichtlich mit dem Mut der Verzweiflung trieben sie das Volk von der Straße. Die Leute verschwanden wie Ratten und kamen ebenso an anderer Stelle wieder hervor. Rote Fahnen, rote Tücher und dann zog das wie ein Gewitter über Köln ab und auf zog die Besatzungsmacht. 1918 fanden sich in bedrängter Zeit (Besatzung, Ausgehverbot) die jungen Maler wie durch eine Art Urwaldtrommel zusammen. Nun begann ein intensiver Aufbruch...

Von unserer Armut damals kann man sich keine Vorstellung machen, von unserem Reichtum auch nicht. Wenn es zu toll wurde, nahmen die Männer eine Mappe unter dem Arm und wir wurden in einem Lokal untergebracht, in dem es warm und hell war. Zuhause bleiben war unmöglich, weil Vermieter, Gasmännchen und andere sich Einlass verschafften. Das war die Zeit als „Lebendige“ erschien. Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht. Jeder, auch Angelika Hoerle machten aus Überzeugung einen Linolschnitt...

Anton Räderscheidt
„Haus Nr. 9“ 1921 Öl auf Holz

Anton Räderscheidt
„Triumph über das Mansardenstübchen“ 1919 Ölbild (Verbleib unbekannt)

Malerehepaar 1925
August Sander Vintage

Die „Progressiven“ auf dem Lumpenball

Anton Räderscheidt „Zwei Gestalten“ 1919 Holzschnitt (Signet des Verlages)

Marta Hegemann 1920
Assemblage

Die Strassenbilder von A.R. Sie enstanden in den Jahren, in denen die Maler die Häuser auf den Ringen, die falsch reichen Gründerjahrehäuser nicht mehr sehen konnten. In dieser Zeit enstanden die Straßenbilder von A.R. Häuserblöcke schematisch durch Fenster kariert. Nahe Strassen mit großen Karos, weit entfernte mit winzigen Karos ganz übersät.

...In dieser Zeit, wir froren, wir hungerten, wir feierten aber vor allem wir suchten und dieses Suchen war das ungeheuer Belebende

Treffpunkt Hildeboldplatz Nr. 9, ...lautstarke Lieder und Gesänge durchzogen die Räume, die immer wieder in anderen Farben und mit Hilfe von Schabau Hintergrund für Bilder und Plastiken wurden. Debatten, bis der helle Tag anbrach. In dieser Zeit gründeten wir die Gruppe Stupid es erschien ein Heft mit Abbildungen und Ankündigungen es wurden Plakate handgemalt in nächtlicher Stunde von uns angeklebt auf meinem hatte ich einen großen Mangelknopf gemalt den Max Ernst in einen Steckkontakt verwandelte.

Anton Räderscheidt
Rosa Luxemburg 1919 Holzschnitt Mappe Lebendige

Gert Arntz, Jankel Adler,
Frau Grobel,
Marta Hegemann,
Anton Räderscheidt
August Sander Vintage

Anton Räderscheidt
„Begegnung II“ 1921
Öl auf Leinwand