Hotel Bären Münchenbuchsee

1943-1944

 

Der Vorteil war das ich jetzt als Franzose galt  und die Schweizer wild auf französische Malerei waren." Für einen ausländischen Maler ist aber der Verkauf seiner Bilder verboten, wen er im Lande lebt, so das die erzielten preise außerordentlich niedrig waren. Er  begann wieder zu arbeiten konnte aber seine Werke obwohl sie sehr begehrt waren, kaum gegen bar verkaufen, sondern meist nur für Naturalien eintauschen, er benötigte aber zunehmend mehr Geld um die Arztkosten der an Krebs erkrankten Ilse Salberg aufzubringen.
Das Exil in der Schweiz bedeutet für Räderscheidt wie für viele andere Künstler nicht nur schützendes Reservat mit relativer Freiheit sondern auch und nicht zuletzt wegen des Arbeitsverbots für Staatenlose Ausländer eine nahezu hermetische künstlerische und kulturelle Abgeschlossenheit von der Außenwelt. Zwar kam dies seiner Disposition zum Einzelgänger- und Außenseitertum durchaus entgegen, doch selbst er fühlte sich auf eine schwer erträgliche Weise isoliert. Kontakte nach Frankreich und Deutschland, wo die freie Kunst zwar in den Untergrund gedrängt worden war, aber weiterlebte, waren während des Krieges nicht mehr möglich. Erst 1946 konnte Räderscheidt wieder seinen Briefwechsel mit Franz Roh aufnehmen, den er aus der Schweiz mit Paketen versorgte. Seine Beziehung zu anderen Exilanten, unter denen sich nur wenige bildende Künstler befanden, beschränkte sich auf die Teilnahme an einer Ausstellung der ,Peintres refugies‘, die 1944 in der Berner Kunsthalle stattfand. An weiteren Verbindungen blieb ihm nur seine Bekanntschaft mit Georg Schmidt und, seit seinem Umzug nach Bern im Jahre 1944, mit dem Sammler Hermann Rupf, der regelmäßig bei ihm kaufte. Auch „mangels Außenleben“ blieb ihm nur der Rückzug in seine Malerei. Er arbeitete in nahezu völliger Abgeschiedenheit ohne äußere Stimulanzien und entdeckte für sich alleine die Moderne wieder, um sich in malerischer Auseinandersetzung mit ihr zu regenerieren. Räderscheidts Rückbesinnung auf die Modernismen des frühen 20. Jahrhunderts entspricht einer allgemeinen, mit dem Ende des Krieges einsetzenden Tendenz, die er, begünstigt vom relativ freien und sicheren Leben in der Schweiz, früher als die meisten seiner von der Hitler-Diktatur und der Lähmung des kulturellen Lebens während des Krieges betroffenen Künstlerkollegen erfasst hat.

Im Hotel "Bären" in Münchenbuchsee kam  Anton Räderscheidt und seine Familie im Oktober 1943, durch Fürsprache des Baseler Museumsdirektors Georg Schmid, den er noch aus Köln kannte und der Ihn und seine Familie vor der drohenden Ausweisung bewahrte in einer Mansarde als "Privatinternierter" ohne Arbeitsgenehmigung unter. Anton Räderscheidt schrieb in sein Tagebuch "Mir war das in der Schweiz besonders schwer da sich alles gegen die Sprache sträubte, ich blieb also beim Französisch, was in der deutschen Schweiz auch keinen starken Kontakt ergibt.