Jankel Adler

1894-1970

 

Jankel Adler wird am 26. Juli 1895 in Tuszyn, einem Vorort von Lodz, der von polnischen, deutschen und jüdischen Bevölkerungsgruppen geprägt ist, geboren. Jankel, wie er von seinen Eltern genannt wird und wie er sich später selbst nennt, ist Jude. Der junge Jankel Adler macht vom Jahr 1912 an eine Lehre als Graveur bei seinem Onkel in Belgrad und reist anschließend durch die Balkanländer.


Adler nimmt während des ersten Weltkriegs sein Studium bei Prof. Gustav Wiethüchter an der Barmer Kunstgewerbeschule auf. Auf das Studium folgen Auslandsaufenthalte in Polen, Berlin und Paris.


1922 zieht Jankel Adler nach Düsseldorf, wo er zusammen mit Paul Klee an der Kunstakademie unterrichtet und genau wie dieser der Künstlergruppe "Junges Rheinland" beitritt. Jankel Adler bezieht 1931 in der Düsseldorfer Akademie ein Atelier, das er jedoch schon 1933 wieder aufgibt, weil er auf Anraten von Freunden Deutschland verlässt. Mit links stehenden Künstlern und Intellektuellen hatte Adler zuvor in Düsseldorf während des Wahlkampfes zur Reichstagswahl im Februar 1933 einen "dringenden Appell" gegen die Politik der Nationalsozialisten und für den Kommunismus veröffentlicht.


Jankel Adler flüchtet zunächst nach Paris und fasst sein Exil als einen bewussten Kampf gegen das faschistische Regime in Deutschland auf. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbricht, meldet sich Jankel Adler als Freiwilliger zur polnischen Armee. Jedoch wird der Künstler zwei Jahre später wegen seines schlechten Gesundheitszustandes entlassen.

Adler zieht nach Schottland und kurz darauf nach London. In den vierziger Jahren wird der Maler mit beachtenswerten Ausstellungen in London, Paris und New York bedacht.


Jankel Adler bleibt zeitlebens in seinem Figurenstil stark von Picasso und Leger beeinflusst. Oft arbeitet der Künstler in Mischtechnik, trägt die Farben - anders als Picasso und Leger - sehr pastos auf, so dass die Bildoberfläche etwas grafittoartiges bekommt.

Jankel Adler stirbt 1949 in Albourne bei London.

Jankel Adler „Judith“ 1927/28

"Adler ist Jude aus Polen. Das ist außerordentlich wichtig zum Verständnis dieser eigentümlichen Individualität. Zwar verschwinden die östlichen Motive in seinen Bildern allmählich, während seines Aufenthaltes in Düsseldorf und Paris eignete sich Adler technische Errungenschaften der Westkunst an, und doch lebt in seinen Werken bis heute etwas von der Unerbittlichkeit der Heiligen Schrift und etwas von der tiefen Konsequenz des Talmud. Manchmal lassen seine Leinwände einen gewissen melancholischen Humor durchscheinen, es scheint, daß der Künstler sich selbst verspottet. Adler ist kein 'lieblicher' Künstler, er erleichtert dem Zuschauer das Verständnis seiner Bilder nicht. Aber wer einmal die seltsame Sprache seiner Bilder versteht, wird für lange Zeit unter dem Eindruck ihrer zwingenden und mächtigen Melodie bleiben."

Lou Straus-Ernst , Vorwort zum Katalog der Adler−Ausstellung 1935 in Warschau und Lodz

„Schabbat” 1927/28

Das Gemälde „Schabbat” entstand um 1927/28 in Adlers besonders erfolgreichen Jahren in Düsseldorf. Es zeigt einen Blick in eine Stube am Schabbat.

Der in einem Gebetbuch lesende Mann liegt auf dem Sofa, neben sich den Gebetsschal. Die Frau sitzt auf einem Stuhl mit einer Schale Sonnenblumenkernen. Auf dem Tisch sehen wir – außer einem Teller mit zwei äpfeln – die für diesen Feiertag traditionellen Gegenstände und Speisen: zwei Kerzenleuchter, ein Weinglas und ein Zopfbrot. Doch sind die Kerzen heruntergebrannt, das traditionelle Schabbatbrot liegt, angeschnitten, halb aufgegessen, das Weinglas ist leer. Der Teller, auf dem es steht, und die bläulichen Flecken darauf könnten auf die Hawdala-Zeremonie des Schabbat-Ausgangs hindeuten. So scheint es, dass hier – anders als sonst häufig der Fall – das Ende des Schabbat dargestellt ist. Die Szene, die zunächst den Anschein der inneren Ruhe vermittelt, trägt einen irritierenden, melancholischen Zug.

„Weiht er doch jedes Bildnis, das er malt, / Mit dichterischer, großer Harfenschrift / Seinem jungen Gotte Zebaoth”, schrieb Else Lasker-Schüler über ihren Freund Jankel Adler. Denn immer wieder setzte sich dieser mit jüdischen Themen auseinander, und viele seiner Werke enthalten einzelne jiddische Wörter, Anspielungen oder Zitate auf Bräuche. „Schabbat” ist eines der bedeutendsten der wenigen noch erhaltenen Gemälde dieser Werkgruppe.

August Sander „Jankel Adler“
Vintage Privatbesitz

Jankel Adler wurde 1895 in Tuszyn, nahe Lodz, geboren und studierte seit 1913 an der Kunstgewerbeschule in Barmen, dem heutigen Wuppertal. Bereits in den frühen Zwanzigerjahren beteiligte er sich an den Aktivitäten der Düsseldorfer, Kölner und zeitweilig auch der Berliner Avantgarde-Gruppen, wieder „Novembergruppe“, dem „Jungen Rheinland” oder der „Union fortschrittlicher internationaler Künstler”. Er war Mitbegründer der „Gruppe progressiver Künstler” in Köln und seit den späten Zwanzigerjahren auf vielen Ausstellungen und in zahlreichen Museumssammlungen vertreten. Adlers politische Haltung ließe sich als eine Art anarchistischer Kommunismus bezeichnen, dem nichts ferner lag als die Unterwerfung unter eine damals bereits die KPD beherrschende leninistische Parteidisziplin. Vor den Reichstagswahlen im März 1933 unterzeichnete er den „Dringenden Appell linksstehender Künstler und Intellektueller”, in dem der Zusammenschluss von KPD und SPD gefordert wurde, und musste kurz darauf nach Paris fliehen, wo er seine politischen Aktivitäten fortsetzte. Bereits im folgenden Monat wurden seine Arbeiten in der Ausstellung „Kultur – bolschewistische Kunst” in Mannheim diffamiert. 1937 wurden Adlers Werke im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst” aus vielen deutschen Museen entfernt und auf den zahlreichen Stationen dieser Wanderausstellung zur Schau gestellt, ebenso wie auf der Ausstellung „Der Ewige Jude”.

Arthur Kaufmann „Die Zeitgenossen“ um Mutter Ey „junges Rheinland“
3. oben links, Jankel Adler

Jankel Adler im Londoner Exil













August Sander Vintage, Privatbesitz

Das Junge Rheinland

1918 verschickten der Dichter Herbert Eulenberg und die Maler Arthur Kaufmann und Adolf Uzarski einen Aufruf an eine ausgewählte Gruppe von Künstlern, darunter Champion, Enseling, Ernst, de Haer, Janssen, Lahs, Leman, May, Nauen, Ophey, Schwarzkopf, Sohn-Rethel und von Wätjen. Ein neuer Zusammenschluss sollte die gemeinsamen Interessen der jungen rheinischen Künstlerschaft unvoreingenommen vertreten und Ausstellungen organisieren. Das Ergebnis war die Gründung der modernen Künstlervereinigung Das Junge Rheinland (1919).

Nach anfänglichem Erfolg kam es im Inflationsjahr 1923 zur Krise. Adler, Breker, Champion, Dix, Kamps, Kaufmann, May, Ophey, Rübsam, Sopher, Uzarski, von Wätjen u.a. traten aus und gründeten die Rheingruppe.

1928 schlossen sich Das Junge Rheinland, die Rheingruppe und eine Anzahl freier Künstler zur Rheinischen Sezession zusammen. 1930 trat die Rheingruppe nach heftigen internen Auseinandersetzungen aus der Dachorganisation aus. Das Junge Rheinland und die Rheingruppe verloschen 1933. Die Rheinische Sezession wurde 1938 durch Verfügung aufgelöst.


Gert Arntz, Jankel Adler, Frau Grobel,

Marta Hegemann, Anton Räderscheidt

Kölner Karneval 1930